Geschichte von One Billion Rising

One Billion Rising (OBR) (englisch für Eine Milliarde erhebt sich) ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen . Sie wurde im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert.

 

Die eine „Milliarde“ deutet auf eine UN-Statistik hin, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung werden. Die Kampagne wurde im Rahmen der V-Day Bewegung gestartet. Es ist eine der größten Kampagnen weltweit und findet jährlich mit tausenden von Events in über 200 Ländern der Welt statt.

 


Die Kampagne

Weltweit wurden eine Milliarde (engl. billion) Frauen zu Streiks und Protestkundgebungen aufgerufen. Indem wir Häuser, Geschäfte und Arbeitsstellen verlassen und gemeinsam öffentlich tanzen, demonstrieren wir unsere Solidarität und gemeinsame Kraft.

 

Das Ereignis sollte am 15. Jahrestag der V-Day-Aktionstage gegen Gewalt gegen Frauen  am 14. Februar 2013 (Valentinstag) stattfinden. Die „Milliarde“ steht für die statistische Aussage der UN, dass ein Drittel aller Frauen und Mädchen in ihrem Leben Opfer von Gewalt werden.

 

Das Event findet seitdem jährlich am 14. Februar weltweit statt.

 

Im Jahr 2014 stand die Kampagne unter dem Motto Gerechtigkeit für Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt zu fordern. Außerdem wurde Betonung auf die Straflosigkeit, welche bei Straftaten gegen Arme, Opfer von Rassismus, Krieg und Imperialismus und die Plünderung der Umwelt weiterhin besteht, gelegt.

 

2015 wurde dann zur Revolution aufgerufen.One Billion Rising Revolution ist eine Steigerung der zwei ersten Etappen unserer Kampagne – One Billion Rising und One Billion Rising für Gerechtigkeit.

Wir haben getanzt.

Wir haben Gerechtigkeit gefordert.

Jetzt fordern wir VERÄNDERUNGEN.
Und nur eine radikale Veränderung des Bewusstseins und mutigere, kühnere, kreativere und entschlossenere Handlungen können Veränderung bewirken.

2016 geht diese Revolution weiter und alle sind aufgerufen, in ihrem persönlichen Umfeld, in der Öffentlichkeit, in ihrer Arbeitsstelle und in der Politik Veränderungen zu fordern und diese Veränderungen auch selbst zu leben. Hin zu einer liebevolleren, friedlichen Welt, ohne Unterdrückung und Gewalt.

 


die Entstehung

 

Die Aktion wurde von Eve Ensler initiiert, nachdem sie mit der Veröffentlichung der Vagina-Monologe 1998 den Anstoß für die V-Day-Aktionstage gegeben hatte. Das V steht für Vagina und Victory over Violence (Sieg über die Gewalt).

 

Einer der Auslöser für ihren Aufruf waren die Äußerungen des US-amerikanischen Politikers der Republikanischen Partei Todd Akin über Abtreibungen, bei der selbst Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung entstehen, nicht beendet werden dürften. Seiner Auffassung nach könne der weibliche Körper von sich aus eine Schwangerschaft verhindern, wenn es sich tatsächlich um eine Vergewaltigung gehandelt habe.

 

Im August 2012 antwortete sie ihm in einem offenen Brief, dass er Millionen Frauen wahnsinnig gute ("insanely good") Gründe gegeben habe, sich zu erheben.

 

In vielen Ländern wird zum Lied „Break the Chain“ (Zerbrich die Ketten) von Tena Clark getanzt. 

Foto: Brigitte-Lacombe


Begleitende Gedanken aus Münster

Es waren drei höchst beeindruckende Jahre von One Billion Rising, One Billion Rising für Gerechtigkeit und One Billion Rising Revolution. Durch unser aller Bemühungen mobilisierten, engagierten und verbanden sich Menschen auf der ganzen Welt, um die Gewalt an Frauen zu beenden. Wir machen Gewalt an Frauen zu einem globalen, menschlichen Problem/Thema unabhängig von Staat, Volksgruppe, sozialer Klasse oder Religion.

 

Wir enthüllten es als patriarchale Machtstruktur, wie sie in allen Kulturen dieser Welt präsent ist.

 

In unserer Gerechtigkeitskampagne machten wir die weit- und tiefgreifenden Verbindungen zwischen Gewalt an Frauen und ökonomischer, Umwelt-, Rassen- und Geschlechterungerechtigkeit sichtbar. Wir bildeten neue und hoffentlich dauerhafte Koalitionen zwischen bestehenden Gruppen und Einzelpersonen, nicht nur in der Frauenbewegung sondern ebenso Volksbewegungen unterschiedlicher Bereiche.

Wir zeigten, dass es nichts mächtigeres gibt als globale Solidarität, die uns alle sicherer macht in unserer Offenheit, mutiger zu fühlen was wir tun wollen.

Wenn wir die Frauen aufstehen sehen in Sudan und Somalia oder junge Frauen in Teheran oder Hausangestellte, die auf den Straßen Hongkongs ihr Leben und ihre Jobs riskieren, inspiriert dies uns alle, noch weiter zu gehen, wenn wir wissen, dass die Augen der Welt auf uns gerichtet sind. Durch One Billion Rising wurden Gesetze geschaffen, verabschiedet und vollstreckt. Anführerinnen wurden geboren, Politiker wurden „ans Feuer gehalten“, große und unsichtbare Ungerechtigkeit wurde offenkundig gemacht und als unleugbar erwiesen.

Man muss nur auf die Frauen schauen, die in Tacloban, Philippinen, aufgestanden sind, um die staatlich schlechte Versorgung der Flutoper anzuprangern, oder indigene Frauen, die sich auf Ölfeldern in Kalifornien erheben, oder Frauen in Bangladesh, die aufstanden gegen die Unterdrückung und den Tod von ArbeiterInnen im Rana Plaza, oder Frauen, die innerhalb und außerhalb von Gefängnissen aufstanden.

Unsere Schreie für unsere jeweilige Gerechtigkeit haben zugenommen und gingen auf in einem Meer von Schreien und Forderungen, die eine neue Kollage erschufen, eine neue kollektive Vision und eine radikale Landschaft wie eine für Frauen und Mädchen gerechte Welt aussehen kann.

Jeder begegneten Hindernisse, Angriffe, Zweifel, Misstrauen, ein Mangel an Ressourcen, Unmöglichkeiten, familiäre Bedürfnisse und wir gingen hinaus über das was wir glaubten zu können.

So haben wir viel zu feiern.

Was wir auch taten, ist die Macht von Kunst und Tanz aufzuzeigen und die außerordentliche

und politische Alchemie die entsteht, wenn Kunst und Aktivismus gleichzeitig geschieht.

Tanz ist eine der stärksten Kräfte auf der Erde und wir haben gerade erst angefangen zu erschließen wohin er uns bringen kann. Der Kampf der Menschheit ist ein Kampf zu unseren Körpern zurückzukehren.

 

Durch Trauma, Grausamkeit, Scham, Unterdrückung, Gewalt, Vergewaltigung, Ausgrenzung wurde der Körper der menschlichen Spezies verletzt, verwundet und wir wurden gezwungen aus unseren Körpern zu fliehen.

 

Die gleiche Grausamkeit, Vergewaltigung, Unterdrückung ist (rechtlich) erlassen worden auf der Erde und die Konsequenzen waren schrecklich. Wir grenzen an eine totale Katastrophe und einen Kollaps des Lebens wie wir es kennen.

Tanzen erlaubt uns in unsere Körper zurückzukehren als Individuen, Gruppen und Welt. Es verbindet unsere Füße mit der Erde und inspiriert uns, uns in ihrem Rhythmus zu bewegen.

 

Es erlaubt uns weiter zu gehen, jeden einzuschließen, einzutreten in eine revolutionäre und poetische Energie, die uns einlädt den Deckel vom patriarchalen Gefäß zu nehmen und mehr von unserer Weisheit, unserer Selbstliebe, unserer Sexualität, unserer Leidenschaft und unserer Wildheit zu befreien.

Tanzen ist Trotz. Es ist fröhlich und stürmisch. Es ist ansteckend und frei und jenseits gesellschaftlicher, oder staatlicher Kontrolle. Wir haben erst begonnen zu tanzen.

Dieses Jahr müssen wir weiter gehen. Wir müssen den Weg bis zum Ende gehen und die Veränderung vollziehen.

Wir müssen die REVOLUTION weitertragen.

One Billion Rising Revolution ist eine Steigerung der ersten Etappen unserer Kampagne.

Wir haben getanzt.Wir haben Gerechtigkeit gefordert.

Jetzt fordern wir VERÄNDERUNGEN.

Und nur eine radikale Veränderung des Bewusstseins und mutigere, kühnere, kreativere und entschlossenere Handlungen können Veränderung bewirken.

 

 

Veränderung kann geschehen, wenn...

 

VOLKSBEWEGUNGEN UND AUSGEGRENZTE GRUPPEN IN FÜHRUNG SIND.

 

Veränderung kann geschehen, wenn...

 

WENN WIR RECHENSCHAFT FORDERN – SICHER GEHEN, DASS UNSERE RUFE

NACH GERECHTIGKEIT DES LETZTEN JAHRES REALISIERT WERDEN.

 

Wir werden fortfahren Gerechtigkeit zu fordern und die Probleme offenkundig machen einschließlich der den Frauen auferlegte soziale Ungerechtigkeit und wir werden fortfahren aufzuzeigen, wo sich diese Probleme verknüpfen. Wir werden fortfahren, Institutionen, Regierungen, Politikern, Gesetze herauszufordern – und diese Systeme, die verantwortlich sind für Situationen von Armut und Gewalt, zur Verantwortung zu ziehen.

 

Veränderung kann geschehen, wenn...

 

WENN WIR UNSERE KREATIVITÄT UND ENERGIE NUTZEN

 

Wir werden neue, mutige und radikale künstlerische Initiativen aufzeigen, erschaffen und Visionen entwickeln, um die neue revolutionäre Welt der Gleichheit, Würde und Freiheit für alle Frauen und Mädchen herbeizuführen.

ES GIBT NICHTS MÄCHTIGERES ALS KUNST ALS WERKZEUG FÜR TRANSFORMATION.

 

Veränderung kann geschehen, wenn...

 

WIR JETZT HANDELN.

WIR GEMEINSAM HANDELN.